02.09.2018rss_feed

Fast schon ein kleiner „Thüringer Schweinegipfel“

An dem Gespräch des Thüringer Agrarausschusses mit der Sozialministerin Werner am 31. August, das ganz unter dem Eindruck des bevorstehenden Änderungen bezüglich der Kastration männlicher Ferkel ab 1.1.19 stand, nahmen auch Vertreter der IGS Thüringen e.V. und des TBV teil. Dem vorausgegangen waren mehrere Gespräche mit Landtagsabgeordneten und dem MDR. Hintergrund ist die bisher sehr stringente Auffassung des für Tierschutz zuständigen Sozialministeriums. Dessen Position fasste Staatssekretärin Feierabend  in einem Antwortschreiben an IGS-Mitgliedsbetriebe im Juli dieses Jahres noch so zusammen, dass eine Änderung der Ausstiegsfrist nicht unterstützt wird. Hauptargument dafür war, dass die drei bestehenden Alternativverfahren Ebermast, Immunokastration und Inhalationsnarkose als geeignet eingeschätzt wurden, um die Praxis der betäubungslosen Kastration abzulösen.

Das dem so nicht so ist, klärte Andrè Telle, selbst Ebermäster, die Abgeordneten und die Ministerin auf: Wir wissen, welche Besonderheiten auf den Mäster zukommen, wenn er unkastrierte männliche Tiere zur Mast aufstellt. Doch wesentlich entscheidender ist, dass der Markt für Eber gesättigt ist. Das belegen auch die angekündigten gravierenden Preismaskenänderungen der Schlachtindustrie! Immunokastrierte Eber lehnen Schlachtereien und Lebensmitteleinzelhandel kategorisch ab. Außerdem: Isofluran ist bisher nicht zugelassen, die notwendigen Inhalationsgeräte stehen in dem benötigten Umfang nicht zur Verfügung und es stehen gar nicht genügend Tierärzte zur Verfügung, um die Inhalationsnarkose zu überwachen.

Inzwischen ist Bewegung in die Sache gekommen, nicht zuletzt auch durch die drei Bundesratsinitiativen, über die am kommenden Montag im Agrarausschuss des Bundesrates entschieden werden soll.  Doch auch die fachlich fundierte Arbeit des Berufsstandes konnte dazu beitragen, dass die ernsthaften Gründe, die für eine Verschiebung des Termins sprechen, auch in Thüringen angehört und ernst genommen wurden. Voller Spannung wird eine Entscheidung erwartet.