IGS Aktuelles

Monatlich wurden bisher in Thüringen lt. Thüringer Landesamt für Statistik 75 - 80.000 Schweine geschlachtet. Rund 60.000 (d.h. ca. 80%) wurden nach Altenburg geliefert, davon nach Angaben des Vion-Konzern 90% aus Mitteldeutschland. Was mit diesen Schweinen wird, wohin sie nach der Schließung der Schweineschlachtung in Altenburg im 1. Quartal 2020 transportiert werden müssen, ist offen. Die Mitteldeutsche Schlacht- und Nutzvieh Erzeugergemeinschaft w.V. mit ihren 90 Mitgliedern ist geschockt und sucht nach Lösungen. Genauso betrifft es die Direktvermarkter im Ostthüringer Raum, die bisher ihre Schweine in Altenburg schlachten ließen, die weiteren Verarbeitung zu den hochgeschätzten Thüringer Produkten aber selbst vornahmen. Auch die sächsischen Kollegen hatten mehrere Programme auf diesem Segment aufgebaut, so dass der Anteil der Lohnschlachtungen rund ein Fünftel der Altenburger Schlachtungen ausmachte. 

Gefragt ist hier nicht nur die Wirtschaft, neue Lösungen zu finden, denn das Aus der Schweineschlachtung betrifft ganz Mitteldeutschland, wie die Bauernzeitung berichtet.   

Am Samstag, dem 7. Dezember, 17.00 Uhr hatte der Kreisbauernverband Altenburger Land zum Mahnfeuer nach Kriebitzsch eingeladen. Für Kerstin Fröhlich, Vorstandsvorsitzende der Kriebitzscher Agrargenossenschaft und zugleich stellvertretende Vorstandsvorsitzende der IGS Thüringen e.V. war es eine Herzenssache, sich an dem bundesweiten Aufruf der Organisation Land schafft Verbindung aktiv zu beteiligen, denn es ging darum, die Verbraucher zu sensibilisieren und aufzuklären sowie auf die aktuelle Agrarpolitik aufmerksam zu machen.

Und es kamen rund 200 Bürger, mit denen rege Gespräche geführt werden konnten, über die Situation der Landwirte und den Verdruss, immer  nur am Pranger zu stehen.  Wir möchten, dass unsere Kinder auch noch Lust haben, diesen Beruf zu erlernen, so Kerstin Fröhlich. Wir können alles machen, was gewünscht wird, aber wir müssen auch davon leben können, so ihr Statement. 

Die OTZ berichtete und hat den Bericht in der Montagsausgabe zur Verfügung gestellt. 

Volles Haus am Mitteldeutschen Schweinetag 2019
© TLLLR

Über 300 Gäste konnten am 28. November 2019 in Halle-Landsberg zum nunmehr vierten Mitteldeutschen Schweinetag begrüßt werden. Erstmals beteiligte sich auch die IGS Thüringen e.V. an dieser Fachveranstaltung, die in bewährter Weise vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR), dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) sowie der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) in bewährter Zusammenarbeit mit der Erzeugergemeinschaft Schwein Altmark e.G. organisiert und veranstaltet wird. In diesem Jahr standen Tierwohlkonzepte, zukunftsweisende Haltungsverfahren für Schweine sowie Fragen rund um die Gesundheit, Ernährung und Zucht besonders fruchtbarer Sauen im Mittelpunkt. Die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse sowie alle Vorträge sind auf der Homepage des TLLLR veröffentlicht.

In der Eberstation Stotternheim der BuS wurde eine automatische Probenvorbereitung mit computerunterstützter Spermaqualitätsanalyse eingerichtet. Mittels E-Flow und Casa-System kann jetzt die Motilität und Morphologie eines jeden Ejakulates vollautomatisch erfasst und bewertet werden. Diese moderne Technologie wird ab kommendem Jahr ebenfalls in den anderen Eberbesamungsstationen der BuS eingerichtet. 

25. Mitgliederversammlung der IGS Thüringen in Erfurt am 3.12.2019
© IGS Thüringen e.V.

Es war die regelmäßige Zusammenarbeit einiger Thüringer Schweinehalter im Rahmen des Thüringer Runden Tischs zum Tierwohl, die die Idee einer Interessengemeinschaft für Schweinehalter in Thüringen wachsen ließ. Die beteiligten Betriebsleiter erlebten in den Beratungen mit den Behörden, dass die Haltungsbedingungen bei Sauen, in der der Ferkelaufzucht und Mast zunehmend kritisch hinterfragt wurden und rasche Änderungen eingefordert wurden. Schnell wurde deutlich: Das kann kein Schweinehalter allein für sich richten, wir brauchen eine Stimme, die uns mit großem Sachverstand in der Öffentlichkeit und Politik vertritt.

Auf der ersten Zusammenkunft am 3. Dezember 2014 in Niedergrunstedt bei Weimar waren sich die Vertreter Schweine haltender Betriebe sehr schnell einig: Wir gründen einen eingetragenen Verein, der Ansprechpartner für Thüringer Schweinehalter sein soll und uns gegenüber Thüringer Behörden vertreten wird. Zu den Zielen des am 6. Mai 2015 eingetragen gemeinnützigen Vereins, die in einer entsprechenden Satzung formuliert wurden, sollten neben der Öffentlichkeitsarbeit insbesondere die fachlich fundierte Beurteilung der neuen Haltungsanforderungen u.a. auch die Einholung von rechtlichen Gutachten und Folgenabschätzungen bei sich ändernden Rahmenbedingungen sein. Durch die Zusammenarbeit wollten wir erreichen, dass unsere unmittelbaren Berufskollegen in Thüringen von den eigens entwickelten Lösungsvorschlägen veränderungsbedürftiger Haltungsbedingungen profitieren.

Der Verein, der am Dienstag, dem 3. Dezember 2019 seinen 5. Geburtstag mit der 25. ordentlichen Mitgleiderversammlung feierte, arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und ist Mitglied beim Bundesverband Rind und Schwein. Es war uns sehr wichtig, dass die fachliche Kompetenz der Interessenvertretung der deutschen Schweinehalter allen Mitgliedsbetrieben im Freistaat Thüringen direkt zugänglich zu machen. Mit dem Thüringer Bauernverband arbeiten wir eng zusammen.

Mit unserem Verein vertreten wir mit 84 Mitgliedern mit 539.054 Schweinen ca. 75% des Thüringer Schweinebestandes. Unsere  freiwillige Partnerschaft funktioniert und lebt unabhängig von der regionalen Herkunft und Betriebsgröße. Zum Nutzen der Thüringer Schweinehalter.

Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG), das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und ländlichen Raum (TLLLR) laden in Zusammenarbeit mit der Erzeugergemeinschaft Altmark Schwein ein zum Mitteldeutschen Schweinetag Zukunftssichere Schweineproduktion am 28. November 2019 (08:00 bis 16:30 Uhr) in 06188 Halle-Peißen.

  • Tierhaltung und Tierzucht im Focus des BMEL (Dr. Bernhard Polten, BMEL)
  • Fleisch der Zukunft: Fragen der Verbraucher und Antworten des Lebensmittelhandels (Dr. Clemens Dirscherl, Kaufland)
  • Was kostet Tierwohl? (Dr. Jürgen Müller, TLLLR)
  • Stallbaualternativen für die Zukunft (Bernhard Feller, LWK NRW)
  • Futter und Fütterungstechnik für Heute und Morgen (Dr. Eckhard Meyer, LfULG)
  • Strohhaltung ohne Schrecken? 
  • Xaletto Haltungssystem (Daniel Holling, Big Dutchman)
  • MMA und SINS: Eine Stoffwechselbe-lastung für zwei eng verwandte Syndrome (Prof. Gerald Reiner, Uni Gießen)
  • Fütterung der hochfruchtbaren Sau (Dr. Kleine-Klausing, deuka, Gelamin)
  • Stärken und Schwächen erfolgreicher Genetik (Thomas Hiebert, H.CB)
  • Impressionen vom Welt-Schweine-Kongress China 2018 – Biosecurity  (Dr. Karin Müller, Zoetis)
  • Lüftung - mehr als nur frische Luft (Doreen Schillkamp, Boehringer)
  • Gesunder Darm - Grundlage für eine wirtschaftliche Schweinemast (Matthias Otto, Intervet)
  • Erste Erfahrungen mit Streptococcus suis Impfstoffen (Dr. Christoph Wähner Ceva)

Am Vorabend der Veranstaltung findet ab 18:00 Uhr eine Diskussionsrunde im Tagungshotel zum Thema Aktionsplan Schwanzkupieren – Stand und Entwicklung statt. Diese wird durch einen Fachvortrag von Prof. Friedhelm Jaeger, MULNV NRW eingeleitet und mit einer Podiumsdiskussion fortgesetzt.

Stallneubau Bernsgrün-Hohndorf
© IGS

2017/18 wagte die Agrarprodukte Bernsgrün-Hohndorf eG den Neubau eines Stalles für knapp 500 Sauen vom Eroscenter bis zum Geburtshaus. Obwohl noch nicht Stand der Technik, wurden für alle Sauen Bewegungsbuchten mit deutlich mehr Platz eingebaut, so dass die Sauen in Zukunft ihre Ferkel ohne Einschränkung großziehen können.

Der Stallneubau war innovativ, nicht nur in der Ausführung: Bauherr Andreas Höfer sorgte auch dafür, dass in Zusammenarbeit mit Partnern anwendungsbereites Wissen für die Berufskollegen generiert wird: Wie sich das auf die Tiergesundheit, das Tierwohl und die Verluste auswirkt, ist Inhalt eines Innovationsprojektes, das kurz vor der Fertigstellung steht. 

Am 14. Oktober wurde das Engagement der Genossenschaft für die besonders tiergerechte Schweinehaltung  mit dem Thüringen Tierschutzpreis gewürdigt. 

 

Susann Wollmuth - Beste Azubine , Fachbereich Tierwirt Schwein - des Jahrgangs 2019
© IGS

Am 14.10.2019 fand die jährliche Auszeichnungsveranstaltung der Jahrgangsbesten Azubis in den Stadtwerken Erfurt statt. Die vom TMIL ausgerichtete und von mehreren Verbänden getragene Veranstaltung zeichnet die besten Azubis der grünen Berufe in Thüringen aus. Landwirte, Tierwirte, Schäfer, Pferdewirte, Forstwirte, Hauswirte und weitere sind die Ausbildungsfachbereiche deren beste Azubis in diesem feierlichen Rahmen geehrt werden.

Für den die IGS betreffenden Fachbereich Tierwirt Schwein konnte in diesem Jahr Susann Wollmuth die Ehrung als beste Auszubildende in Thüringen entgegennehmen. Susann Wollmuth, im Bild mit Ihrem Betriebsleiter Hanjo Hissbach und Vorstandsvorsitzenden Andrè Telle,  hat den praktischen Teil ihrer Berufsausbildung in der Agrargesellschaft Pfiffelbach absolviert. Mit einem Notendurchschnitt von 1,66 stellte Susann Wollmuth Ihre gute Auffassungsgabe, verbunden mit bester Tierbeobachtung und -betreuung, unter Beweis.

Die IGS gratuliert Susann Wollmuth und den Ausbildern der Agrargesellschaft Pfiffelbach zu dieser starken Leistung und wünscht weiterhin viel Freude beim Umgang und der Betreuung von Schweinen.

Saugferkel wachsen dreimal schneller als Wildschwein Frischlinge und neunmal schneller als der Mensch oder ein Kalb (Eckhard Meyer, LfULG Sachsen). Durch dieses rasche Wachstum und die damit verbundene Blut- und Muskelzunahme  ist der Eisenbedarf sehr hoch. Da der natürliche Eisengehalt der Sauenmilch viel zu gering ist, wird er üblicherweise durch eine Eiseninjektion am 3. Lebenstag ausgeglichen. Diese Praxis wurde im Rahmen einer Versuchsreihe auf den Prüfstand gestellt und die Dosierung, der Applikationszeitpunkt (3. oder 10. Lebenstag), aber auch die Applikationsform (oral oder Injektion) variiert. Die Ferkel der Versuchsgrupen, deren Eiseninjektion  gesplittet und gesteigert wurde (200 mg am 10. Lebenstag), entwickelten vor allem gegenüber den Ferkeln mit oraler Eisenversorgung eine kräftigere Hautfarbe und hatten während der darauffolgenden Ferkelaufzucht signifikant höhere tägliche Zunahmen. Die Eisenversorgung beeinflusst demnach die körperliche Entwicklung der Ferkel über die Säugezeit hinaus. Bei den Ferkeln mit oraler Versorgung waren die Zunahmeleistungen im Gruppenmittel etwas schlechter, dafür wurden signifikant weniger Gelenkarthritiden festgestellt. Es wird geschlussfolgert, dass eine orale Eisenversorgung je nach Verfahren nicht zu dem gleichen optischen Gesamteindruck
hinsichtlich der Körperfärbung der Ferkel führt, dafür aber einen Vorteil für die Tiergesundheit haben kann.

Der Versuchsbericht steht online zur Verfügung.

Ein halbes Dutzend Schweine haltende Betriebe war in Thüringen im Frühjahr 2017 von Stalleinbrüchen durch Tierrechtsaktivisten betroffen. Die Anschuldigungen, dass Teilnehmer der Initiative Tierwohl Tierquäler seien und Verbraucher täuschen würden, erwiesen sich als haltlos. Grund genug für die Mitglieder der IGS Thüringen, aktiv zu werden. Dem offenbar gesellschaftlich akzeptierten illegalen Eindringen in die Betriebe und der medialen Verurteilung nicht mehr wehrlos entgegen zu stehen, war Anlass, sich mit der VUSA, dem Verband Unabhängiger Sachverständiger im Agrar-Umweltbereich zu verständigen, um das Anliegen der Thüringer auf Bundesebene zu verfolgen. Die im August 2017 eingereichten Petition zielt auf eine Verschärfung von Starfen im Falle von Stalleinbrüchen ab. Frank Hartmann, Redakteur der Bauernzeitung, berichtet ausführlich in der aktuellen Bauernzeitung, denn ein kleiner Teilerfolg wurde insofern erreicht, dass die Petition im Sommer an die Bundesregierung überwiesen wurde, um die Bundesregierung auf das Anliegen besonders aufmerksam zu machen. VUSA-Vorsitzender Wilhelm Eckhof kündigte jetzt an, sich nochmals mit einem Schreiben an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu wenden, um sie an die Verabredung aus dem Koalitionsvertrag zu erinnern.