30.06.2020

Ferkelkastration nur noch 184 Tage ohne Betäubung

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Nur knapp jedes siebte von über einer Million männliche Ferkel, das im Freistaat Thüringen erzeugt wird, kann bisher unkastriert abgegeben bzw. auch hier im Land als Eber gemästet werden. Ein sehr kleiner Teil der Mäster hat bisher signalisiert, die Impfung gegen Ebergeruch anwenden zu wollen. Im Moment sind rund 85% der erzeugten männlichen Ferkel aus bekannten Gründen nur kastriert verkäuflich. Es drängt die Zeit, sich für ein Verfahren zu entscheiden. Denn ab 1. Januar ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten.

Um bisher noch unentschlossenen Betrieben bei der Wahl der betriebsindividuell besten Alternative zu unterstützen, fanden im Juni drei Online-Seminare statt, die von der FiBL Akademie, Bad Dürkheim in Zusammenarbeit mit der DLG im Auftrag des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) durchgeführt wurden. Leider ist es bisher noch nicht gelungen, sowohl innerhalb der Wertschöpfungskette zwischen Ferkelerzeuger und Schweinemäster als auch zwischen den Schweinehaltern und den Schlachtunternehmen eine solche Abstimmung herzustellen, die dem Wunschziel des BMEL (30% Jungebermast und 20% Immunokastration ab 2021) auch nur annähernd entsprechen, resümierte Moderator Dr. Christian Lambertz.

Die Statements der Praktiker, alle Mitglieder der IGS Thüringen e.V., machten deutlich: Es ist nicht immer einfach, neue Wege zu gehen. Eine sehr klare Botschaft kam von Andrè Telle für die Zukunft der Ebermast: Die Schlachtbetriebe müssen die Abnahme der Jungmasteber zu akzeptablen Preiskonditionen sichern!. Kerstin Fröhlich, die gemeinsam mit ihrem Ferkelerzeuger die Immunokastration aus Sicht des Tieres als verträglichstes Verfahren favorisiert, schätzt ein: Die Machbarkeit ist ok, wir bleiben dran. Dringend benötigt werden Marktsignale der Schlachtindustrie, daß geimpfte Eber sind als Schlachttierkategorie willkommen und fair bezahlt werden. Nur so wäre es möglich, die Impfung aus dem Nischendasein zu nennenswerten Marktanteilen zu entwickeln!

Ist das Kastrieren mit der Inhalationsnarkose auf einer größeren Sauenanlage überhaupt praxisreif? fragte sich Jan Dirk Oosterveld Anfang des Jahres. Das Narkosegerät hat uns positiv überrascht, weil wir zu Beginn ziemlich skeptisch waren, seine ehrliche Einschätzung. Da der vierte Weg (Lokalanästhesie durch den Tierarzt) nicht rechtssicher ist, ist die Entscheidung für den Betrieb recht eindeutig: Die Isofluranmethode wird unsere Wahl sein! Jetzt hofft er darauf, dass seine Mitarbeiter so schnell wie möglich an dem notwenigen Sachkundelehrgang teilnehmen können.

Weil der Geräteaufwand relativ hoch ist und die Isoflurannarkose aus Gründen des Arbeitsschutzes bisher nicht für sie in Frage kommt, erprobte Melanie Große Vorspohl die Injektionsnarkose mit ihrer bestandsbetreuenden Tierärztin Amelia Manescu. In erster Linie ging es darum, zu erfahren wie sich die Injektionsnarkose in den Arbeitsablauf integrieren lässt und welche Auswirkungen der lange Nachschlaf hat. Interessierten Betrieben empfiehlt die versierte Schweinehalterin Fangen sie schon bald an, das Verfahren zu erproben, um es gut vorbereitet dann auch gut beherrschbar durchführen zu können.

Die Statements der Praktiker und Informationen der Referenten hat das TLLLR Jena zusammengefasst.