14.02.2021

Wer schnell verspricht, bald vergisst

Wie top agrar online berichtet, wurde der Bauern-Soli nach kurzer Zeit wieder einkassiert. Der Grund: Es funktioniert nicht, die höheren Fleischpreise für Thekenware an die Verbraucher weiterzugeben. So zumindest hat es Lidl begründet. Dass ein Marktplayer nicht allein neue Signale geben kann, sondern auch die Branche dann mitziehen muss, leuchtet ein. Denn Aldi und Co. haben die Preise unverändert gelassen und so Kunden in die eigenen Läden gezogen, anstatt sich solidarisch zu zeigen. Und so erleben wir es jedes Wochenende, mit neuen Aktionen locken die Handelsunternehmen die Kunden an die Fleischtheken. Da hat der alte Brecht leider wieder einmal Recht, dass sich über die Moral mit vollem Magen einfacher reden lässt. Bereits im Sommer 2020 hatte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Verbot der Werbung für Billigfleisch ins Gespräch gebracht. Und am Freitag bekräftigte der Bundesrat auf seiner 1000. Sitzung, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, um die Preisfairness in der Wertschöpfungskette zu verbessern. Gerade im Fleischbereich zeigt sich, dass die auf Niedrigpreise und Lockangebote abstellende Werbung des Lebensmitteleinzelhandels äußerst kritisch zu bewerten ist. Preise spiegeln den Wert der Tiere und die notwendige Arbeit bis zum Fleischerzeugnis nur unzureichend wider. Der Bundesrat forderten die Bundesregierung auf, die auf Niedrigpreise abgestellte Werbung für Fleisch und Fleischerzeugnisse zu verbieten.

Die bestehenden Unwuchten zeigen sich auch, wenn z.B. Lidl seit dem ASP-Ausbruch seine Beschaffungspreise gegenüber der Fleischbranche nicht verändert hat, so top agrar online. Umsatzeinbrüche von fast 50% für Ferkelerzeuger und über 30% bei Mästern ab September 2020 werfen Fragen auf: Welche Zukunft hat die Schweinehaltung in Deutschland? Entscheidungen für die geforderten Veränderungen in der Schweinehaltung brauchen auch in der Zahlungsbereitschaft für die mit einem höheren Aufwand erzeugten Nutztiere klare Signale. Fairness fängt beim Handeln an, und das betrifft die Fleischbranche genauso wie die Handelsketten und die Verbraucher.